Newsletter Oktober 2026
41. Herbsttagung der ARGE Anwältinnen, 24. und 25. September in Frankfurt am Main:
Die Zweitage-Konferenz begann am Abend vorher mit deinem Get-together in einer Ebbelwoi-Kneipe in Sachsenhausen – Essen, Stimmung und sogar das Wetter: top! Donnerstagmorgen startete das offizielle Programm in einem schönen Gebäude der Goethe-Universität Frankfurt.
Den Auftakt machte die Mitgliederversammlung mit einer Änderung der Geschäftsordnung im Sinne des DAV: Ziel ist, die Arbeitsgemeinschaft gegen eine Unterwanderung durch Extremisten zu schützen (vgl. §3 Abs.2 DAV-Satzung).
Turnusgemäß standen Neuwahlen zum Geschäftsführenden Ausschuss (GfA) an. Vier Frauen sind ausgeschieden: Dorela Kress, Irene Voerste, Berit Jaeger und Sonja Neitzel. Mit großem Dank für ihr Engagement wurden die anwesenden GfA-Mitglieder Berit Jaeger und Sonja Neitzel verabschiedet. Neu in den GfA gewählt wurden die Rechtsanwältinnen Sarah Bystrow und Katharina Zimmermann aus Frankfurt, Constanze Guardia-Sellke aus Düsseldorf, Pasa Ramic aus Schorndorf. Wiedergewählt wurden Christina Dillenburg aus Essen, Ursula Gudernatsch aus Köln und Ulrike Silbermann aus Berlin. Der neue GfA bestimmte Ulrike Silbermann zur Vorsitzenden und Sarah Bystrow zu ihrer Stellvertreterin. Ursula Gudernatsch übernahm das Amt der Schatzmeisterin. Die weitere Aufgabenverteilung wird bei der ersten GfA-Sitzung festgelegt.
Im Namen des Frankfurter Anwaltsverein begrüßte RA Tobias Rath die Konferenzteilnehmerinnen und betonte die Wichtigkeit der Arbeitsgemeinschaft der Anwältinnen im DAV. Konsequent an das Motto der Anwältinnenkonferenz „Let’s talk about money“ angelehnt, referierte als Erste Sarah Bystrow über Geldwäscheprävention in Anwaltskanzleien. Anschließend gab Dr. Johanna Gerstung spannende Einblicke in das Entgelttransparenzgesetz. Um ein Thema, das alle betrifft, ging es anschließend: die Altersvorsorge. Christina Dillenburg zeigte unter dem Titel „Versorgungswerke: Gestaltungsmöglichkeiten – nicht nur ein Pflichtbeitrag“, welche Spielräume die Versorgungswerke bieten. Eine wichtige Erkenntnis: Es lohnt sich, ihre unterschiedlichen Regelungen genau zu kennen. So lässt sich die Altersvorsorge auch bei Elternzeiten optimieren.
Und wer Abwechslung vom Anwältinnen-Dasein sucht? Esther Czasch und Silvia Groppler, beide Rechtsanwältinnen und Notarinnen, stellten ebenso informativ wie unterhaltsam die Arbeit als Notarin vor. In den Bundesländern, in denen diese Kombination möglich ist, kann das Notariat eine interessante Alternative sein. Ein Vorteil: Notarinnen können ihre Arbeitszeit häufig planbarer gestalten als forensisch tätige Rechtsanwältinnen. Das kann die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern.
Am Nachmittag probierte die Arbeitsgemeinschaft ein neues Format aus: Erstmals gab es ein Anwältinnen-Barcamp. Die Teilnehmerinnen bestimmten ihre Themen selbst. Zunächst diskutierten sie über den zunehmenden Einsatz von KI auf Mandantenseite. Wie geht man damit um, wenn Mandantinnen und Mandanten mit KI-generierten Ergebnissen in die Beratung kommen? Wie lassen sich daraus entstehende Schwierigkeiten lösen, ohne das Mandatsverhältnis zu belasten? Danach ging es um Fehler im Mandat: Wie sprechen Anwältinnen über eigene Fehler? Wie handhaben sie die Folgen?
Den Abschluss des ersten Tages bildete die Abendveranstaltung im Restaurant VAIVAI. Silvia Groppler stellte ihre Dinner Speech unter eine klare Botschaft: Anwältinnen müssen sichtbar sein. Dazu gehört die Frage, ob der Name „Deutscher Anwaltverein“ noch zeitgemäß ist. Auf dem Deutschen Anwaltstag 2026 in Freiburg hatte eine Kollegin eine Änderung angeregt. Denn nur „mitgemeint“ zu sein, reicht nicht immer aus. Vorbilder gibt es etwa in Spanien. Der DAV beschäftigte sich bereits vor fünf Jahren in seiner Strukturkommission mit dem Thema. Der Vorschlag „Deutscher Anwaltverein – Verein von Anwältinnen und Anwälten“ setzte sich damals nicht durch. Die Diskussion bleibt aktuell.
Silvia Groppler spannte den Bogen weiter: Sichtbarkeit erschöpft sich nicht in Sprache. Frauen erleben Benachteiligungen in vielen Formen. Anwältinnen sollten deshalb einem gesellschaftlichen Rollback entgegentreten und für ihr berufliches Selbstverständnis einstehen. Traditionelle Geschlechterrollen dürfen nicht darüber entscheiden, welche Lebensentwürfe Anerkennung finden. Dabei geht es um den Kern des Rechtsstaats: Rechte dürfen nicht davon abhängen, wer ein Mensch ist – weder von seinem Geschlecht noch von seiner Herkunft. Wer Frauen Rechte abspricht oder sie relativiert, berührt damit auch rechtsstaatliche Grundsätze. Gewalt, Anfeindung, Entrechtung und Ausgrenzung zeigen, wie konkret diese Gefahr werden kann. Die Dinner Speech lieferte reichlich Gesprächsstoff – beim gemeinsamen Essen wurde entsprechend weiterdiskutiert.
Am Freitag, 25. September 2026, ging es wieder ums Geld. Sarah Bystrow, Berit Jaeger und Ulrike Silbermann eröffneten den Tag mit einem Vortrag über Vergütungsvereinbarungen. Dabei diskutierten die Teilnehmerinnen intensiv über die unterschiedlichen Möglichkeiten anwaltlicher Vergütung. Anschließend wechselte die Perspektive vom Mandat ins Private: Ulrike Silbermann erläuterte, wie Anwältinnen ihre Kanzlei und sich selbst durch einen Ehevertrag absichern können und worauf es bei dessen Gestaltung ankommt. Finanzielles Highlight waren die Tipps zur eigenen Geldanlage von Vermögensberaterin und Wirtschaftspsychologin Anita Rick-Blunck.
Den Abschluss der Herbsttagung bildete am Freitagnachmittag ein Kommunikationsworkshop mit RAin Barbara Helten. In kleiner Runde absolvierten die Teilnehmerinnen verschiedene Übungen vor der Kamera. Die Aufzeichnungen machten unmittelbar sichtbar, wie Auftreten und Präsentation wirken – und was sich verbessern lässt. Daneben ging es um den souveränen Umgang mit schwierigen Fragen: Wie reagiert man, ohne sich in die Defensive drängen zu lassen? Wie erkennt man kommunikative Fallen? Und wie behält man auch in unangenehmen Situationen die Kontrolle über die eigene Botschaft?
Damit endeten zwei Tage voller neuer Impulse, lebhaften Diskussionen und vielen praktischen Anregungen – für das Mandat, die Kanzlei und die eigene berufliche Entwicklung. RAin Katharina Zimmermann hat so manches fotografiert, siehe Website der ARGE Anwältinnen.
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Wir sehen uns wieder beim Legal Lunch am 15. Oktober 2026, 13 bis 14 Uhr, in Kooperation mit dem Deutschen Juristinnenbund (djb): Wie schaffen wir echte Chancengleichheit in Kanzleien? Beim Einstieg in eine Großkanzlei starten in etwa gleich viele Frauen wie Männer. Bis zum Erreichen der Führungsebene sind jedoch nur noch 16 Prozent Frauen dabei. Diese Lücke hat eine Studie der Allbright Stiftung festgestellt. Über die strukturellen Mechanismen, die Rechtsanwältinnen auf dem Karriereweg ausbremsen, diskutieren wir online mit Sabine Wildfeuer, Managing Partnerin der Sozietät Redeker Sellner Dahs und stellvertretende Vorsitzende des djb. Unter der Moderation von RAin Dr. Clarissa Freundorfer, LL.M., entsandtes DAV-Vorstandsmitglied im GfA, geht es lösungsorientiert um konkrete Gegenmaßnahmen, die in der Kanzleipraxis bereits Erfolge zeigen. Weitere Informationen und den Einwahllink erhalten Sie im Downloadflyer.
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Online-Weinprobe am 4. November 2026, 19 bis 21 Uhr: Carmen Krück vom Weingut Krück präsentiert eine feine Auswahl ihrer Weine. Sie verkosten die Weine bequem zuhause, während die Winzerin per Videochat die Teilnehmerinnen fachkundig begleitet. Melden Sie sich bis 9.10.2026 an. Dann erhalten Sie rechtzeitig Ihr individuelles Weinpaket geliefert. Sie haben die Wahl: Basispaket für 43,- Euro oder Genusspaket für 72,30 Euro, jeweils inklusive Versand. Ein kollegiales Event, organisiert von der ARGE Anwältinnen im DAV. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme! Alles Weitere im Downloadflyer.
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Am 9. und 10. Oktober 2026 lädt die Arbeitsgemeinschaft Allgemeinanwalt im DAV zu seiner Herbsttagung in das Hotel Schloss am Berg am Starnberger See. RAin DR. h.c. Edith Kindermann gibt ein Update zur ZPO: Neuerungen und aktuelle Rechtsprechung. Des Weiteren geht es um KI in der Kanzlei und um Problematiken beim autonomen Autofahren.
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5. und 6. November 2026 im Hotel Amano Grand Central Berlin: Deutscher Syndikusanwaltstag „Unternehmensrecht in der Praxis“. Auf dem Programm stehen neben arbeitsrechtlichen Fragestellungen u.a. Möglichkeiten, sich gegen Falschbehauptungen zu wehren, die mit KI generiert wurden, sowie hilfreiche Informationen zur Konfliktlösung im Streitfall. RAin und Notarin Silvia Groppler, Vizepräsidentin des DAV und Vorsitzende des Ausschusses Fachanwaltschaften der Satzungsversammlung der BRAK, gibt einen Überblick über neueste Entwicklungen zum Erwerb einer Fachanwaltsbezeichnung.
Der Fall Pelicot war nur die Spitze vom Eisberg. Nun mehren sich auch in Deutschland Strafverfahren gegen Männer, die Frauen sedieren, in der Bewusstlosigkeit vergewaltigen, sich mit Videoaufnahmen der Straftat online brüsten und mit anderen Vergewaltigern über die effektivsten Methoden digital austauschen. In Hannover, München, Dessau, Verden, Frankfurt und Berlin stehen und standen Männer in diesem Jahr vor Gericht, berichtet taz-Autorin Lilly Schröder auf Instagram. Der größte Fall wird in Berlin verhandelt: Frank S. ist wegen 22 Taten angeklagt, 59 Frauen sind davon betroffen, nur 14 konnte identifiziert werden. Einige Frauen versuchten trotz der einsetzenden Wirkung der Medikamente Widerstand gegen den 68-Jährigen zu leisten. „Bitte, bitte nicht“ oder „Nee, Nee“ ist auf den Videoaufnahmen zu hören, die in der Verhandlung vor dem Berliner Landgericht gezeigt wurden, berichtet der rbb.
Der Bundestag hat am 23.9.2026 über härtere Strafen für den Einsatz von K.-o.-Tropfen bei Sexual- und Raubdelikten beraten, mit einer Strafverschärfung auf 5 Jahre. Laut Gesetzentwurf sollen K.-o.-Tropfen rechtlich als Waffe oder gefährliches Werkzeug eingestuft werden. Eine notwendige Korrektur im Strafgesetzbuch: Der BGH hatte 2024 (Az. 5 StR 382/24) festgestellt, dass es am strafschärfenden Werkzeugcharakter fehle, weil es sich bei K.-o.-Tropfen um eine Flüssigkeit handelt. Eine öffentliche Anhörung folgt am 5.10.2026, 14-16 Uhr, mit Übertragung auf www.bundestag.de.
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„Juristische Ausbildung diskriminierungsfrei gestalten!“ fordert der Deutsche Juristinnenbund (djb) in einem Policypaper anlässlich des Deutschen Juristentags, der vom 16. bis 18.9.2026 in Erfurt stattfand. Dort diskutierte die Fachabteilung Juristische Ausbildung der Zukunft die anhaltende Reformträgheit. „Der Juristentag will das Examen entrümpeln“, titelte das Anwaltblatt seine umfangreichen Bericht. Der djb brachte sich mit der Forderung ein: „Die Lehre muss frei sein von Diskriminierung: Bislang kaum behandelte Themen wie sexualisierte Gewalt, digitale Gewalt, reproduktive Selbstbestimmung und Opferschutzrechte müssen aufgenommen werden.“ Weil Frauen bei Prüfungen oft schlechter als Männer bewertet werden, schlägt der djb vor: Prüfungskommissionen divers besetzen, Prüfer und Prüferinnen schulen, klare Bewertungsmaßstäbe und niedrigschwellige Beschwerdemöglichkeiten einführen. „Staatsexamensnoten sind entscheidend für den Zugang zu Kanzleien, der Justiz, Ministerien oder zur Promotion“, erklärt Rahel Sophie Meinhof, Vorsitzende des djb-Arbeitsstabs Ausbildung und Beruf in der Pressemitteilung des djb. Wer in der Prüfung diskriminiert werde, verliere die gleichen Chancen auf dem Berufsmarkt, mit Folgen für das gesamte Berufsleben bis hin zur Altersvorsorge.
Der Deutsche Juristentag (djt) wird erstmals von einer Frau geführt. Prof. Dr. Beate Gsell aus München wurde am 18.9.2026 zur Präsidentin gewählt. Die Zivilrechtlerin folgt auf Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Henning Radtke. Die LTO schreibt, der 75. djt habe damit ein „erstes Signal hin zur Geschlechtervielfalt und Modernisierung“ gesetzt. Eine Umbenennung in „Juristinnen- und Juristentag“ habe sich jedoch nicht durchsetzen lassen.
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O’zapft is: Der Münchener Anwaltverein (MAV) hatte am Sonntag, 20.9.2026, zur „allerersten Lawyer Wiesn“ eingeladen. „Das Armbrustschützenzelt hat gebebt“, berichtet Michaela A.E. Landgraf, Vorsitzende des MAV auf LinkedIn. Alle schick in Dirndl und Lederhose – RAin Landgraf hat die Münchener Anwaltschaft gut gelaunt mit der Maß Bier in der Hand fotografiert.
Das Oktoberfest geht noch bis zum 4. Oktober. Wegen zahlreicher Übergriffe und sexualisierter Gewalt läuft schon seit 2003 die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“, mittlerweile mit mehr öffentlicher Wahrnehmung – und einem „Safe Space“ als Anlaufstelle und Schutzraum. 2025 hatten 354 Personen dieses Angebot genutzt.
Der Bayerische Rundfunk hat am 29.9.2026 aufgedeckt: Mit dem Titel „Sexy drunk Girls“ oder „Heiße Fahrt auf dem Oktoberfest“ kursieren im Internet bis zu 32.000 Videoclips vom Teufelsrad. Auf dem sich schnell drehenden Fahrgeschäft fliegen die Röcke hoch, bequem lässt sich unter die Dirndl filmen. Der BR berichtet über systematische Geschäftemacherei mit voyeuristischen Videos. Der Upskirting-Paragraf 184k Strafgesetzbuch scheint hier nicht zu greifen.
Die Leipziger Rechtsanwältin Sabine Fuhrmann hat gleich zwei Karrierehindernissen ein Schnippchen geschlagen: Als Frau und als Ostdeutsche. So würdigte Laudatorin RAin Ilona Treibert die Preisträgerin, der Wortlaut notiert in einem Bericht der BRAK: „Sie kann leise laut sein. Sie hat es nicht nötig zu poltern, zu wettern, zu wüten … Eine Frau mit Prinzipien, mit Haltung, voller Engagement“. Am 10. September 2026 hat der DAV Sabine Fuhrmann den Maria-Otto-Preis 2026 verliehen. Der Ehrung im Namen der ersten deutschen Rechtsanwältin Dr. Maria Otto erfolgt auf Anregung der ARGE Anwältinnen seit 10 Jahren. (Ein Kurzporträt finden Sie auf der ARGE-Website.) Die Wahl der diesjährigen Jury unter Leitung von RAin und Notarin Silvia Groppler fiel auf die Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Leipzig und Vizepräsidentin der Bundesrechtsanwaltskammer.
In Halberstadt, Sachsen-Anhalt, geboren, bestärkt Sabine Fuhrmann auch andere Kolleg*innen mit Ostbiographie darin, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren. In einer Podiumsdiskussion beim DAT 2025 konnte sie stolz berichten, dass das Präsidium der Rechtsanwaltskammer Leipzig paritätisch Ost/West besetzt sei. In einem, am 8.9.2026 veröffentlichten Artikel im Anwaltsblatt, ermutigt Sabine Fuhrmann junge Anwältinnen, mit einer Kanzleigründung die Selbständigkeit zu wagen. Die Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht, Mitgründerin und Partnerin der Kanzlei Spirit Legal, empfiehlt ganz dezent, wie es ihre Art ist, sich Rechtsgebieten zuzuwenden, die weniger von Frauen besetzt sind: dort sind die größeren Erträge zu erwirtschaften. Nur ein Beispiel von vielen für das berufspolitische Engagement der Preisträgerin. Hinzukommt, dass sich Sabine Fuhrmann zunehmend öffentlich für jene Kolleg*innen eingesetzt hat, die aufgrund ihrer Mandate zum Ziel von verbalen Angriffen und Drohungen wurden. In einer bewegenden Laudatio in der Berliner Mendelsohn Remise appellierte Ilona Treibert, Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Bamberg, die Preisträgerin als Rolemodel für Engagement, für Haltung, für Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit zu nehmen: „Lasst uns gemeinsam leise laut sein!“
Vor fünfzig Jahren, am 1. November 1976, eröffnete das erste Autonome Frauenhaus in Berlin, in einer Villa im feinen Stadtteil Grunewald, die dem Roten Kreuz gehörte. Autonom, das bedeutete, der Träger war ein Verein, keine Behörde. Das Haus wurde von der Solidarität unter Frauen betrieben, „möglichst ohne Hierarchien“, wie Karin Kaltenberg-Wulf, Erzieherin und Frauenhausfrau der ersten Stunde im Interview berichtet. Eine der ersten Frauen, die hier Schutz suchten, war die Ehefrau eines bekannten Berliner Staatsanwaltes. Die Frauenhauskoordinierung (FHK) veröffentlicht bis Anfang November Beiträge zu „50 Jahre Frauenhäuser in Deutschland“: historische Einblicke, Dokumente und Geschichten aus der Frauenhausbewegung. Das Online-Dossier ist auf der FHK-Website zu finden, oder Sie folgen der FHK auf Instagram.
Ein ungehaltenes Plädoyer – der Buchtitel ist doppeldeutig. Formuliert die Familienrechtlerin und Strafverteidigerin Christina Clemm hier ein Plädoyer, das sie so nie gehalten hat? Oder ist es die verärgerte Schlussrede für all jene Gerichtsverfahren, die mit der Gewalt, die von Männern ausgeht, nicht zufriedenstellend umgehen? Tatsächlich beides. Denn im Setting eines Plädoyers am Ende einer Hauptverhandlung beschreibt die Berliner Rechtsanwältin, was sie in ihrer über 30jährigen Tätigkeit wieder und wieder erlebt: Das Versagen einer Gesellschaft, angesichts zunehmendem Antifeminismus, Maskulinismus, Sexismus, Rassismus u.v.m. In ihrem Buch – und in ihren zahlreichen Presseauftritten – macht Christina Clemm deutlich: „Gerichte können nur einen kleinen Teil an Aufarbeitung leisten, wenn überhaupt. Dennoch tun wir häufig so, als könnten wir Gerichten die Lösung besonderer gesellschaftlicher Probleme anvertrauen. Das ist gefährlich und auch nicht deren Aufgabe … Die Verurteilung eines Vergewaltigers kann die geschlechtsbezogene Gewalt nicht eindämmen, die Geldstrafe gegen einen Mann, der seine Frau misshandelt hat, kann nicht verhindern, dass jeden dritten Tag ein Mann einen Femizid begeht.“
Die Buchpremiere war am 17.9.2026 im Deutschen Theater Berlin. Christina Clemm stellt ihr Buch bei der Frankfurter Buchmesse vor. Danach ist sie bundesweit auf Lesereise.
Ein ungehaltenes Plädoyer, Christina Clemm, Hanser Verlag, 288 Seiten, 24,00€
| Datum | Programm |
|---|---|
| 1.10.2026, online | „getty abortions“: Video der Künstlerin Franzis Kabisch und Gespräch zur Bildsprache deutscher Medien beim Thema Abtreibung, organisiert von der Heinrich-Böll-Stiftung |
| 2.10.2026, Bremen | „Vereint durch die Vergangenheit?“ Podiumsdiskussion über generationenübergreifende Auseinandersetzung mit dem Erbe der DDR, Theater am Goetheplatz, Heinrich-Böll-Stiftung |
| 3.10.2026, Leipzig | „Feministische Stimmen der kritischen Autoritarismusforschung“, Konferenz organisiert von Landesstiftung Weiterdenken und Heinrich-Böll-Stiftung |
| 9./10.10.2026, Berg am Starnberger See | Herbsttagung, Arbeitsgemeinschaft Allgemeinanwalt im DAV |
| 9.10.2026, Dortmund | „Demokratie.Gender.Vielfalt“, Forum von Gleichstellungs- und Diversitätsbeauftragten, organisiert von LAG kommunale Gleichstellungsstellen NRW und Friedrich-Ebert-Stiftung |
| 15.10.2026, online | Legal Lunch der ARGE Anwältinnen im DAV, 13-14 Uhr: Chancengleichheit in Kanzleien. Info im Downloadflyer |
| 11.10.2026, Bielefeld | „Zwischen Courage, Schweigen und Vereinnahmung – Frauenrechte im öffentlichen Diskurs“, Grüner Salon u.a. mit Ekin Deligöz, ehem. Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Heinrich-Böll-Stiftung |
| 13.10.2026, Stuttgart | „Dead Ladies Show“, Frauen der Zeitgeschichte, zu Unrecht in Vergessenheit geraten, musikalisch-poetischer Abend im Literaturhaus, Heinrich-Böll-Stiftung |
| 23.10.2026, Freiburg | „Ein ungehaltenes Plädoyer“, Lesung und Gespräch mit RAin Christina Clemm, Literaturhaus, Heinrich-Böll-Stiftung |
| 28.10.2026, Erfurt | „Zwischen Schutz und Freiheit – junge Menschen in der Social-Media-Welt“, Fachtagung Konrad-Adenauer-Stiftung |
| Save the date | |
| 4.11.2026, online | Online-Weinprobe mit Weingut Krück, 19-21 Uhr, organisiert von der ARGE Anwältinnen im DAV, Info im Downloadflyer |
| 5./6.11.2026, Berlin | Deutscher Syndikusanwaltstag 2026 |
| Datum | Programm |
|---|---|
| 6.10.2026, Stuttgart | Stammtisch der ARGE Anwältinnen ab 19:30 Uhr im Restaurant Perbacco, Tübinger Straße. 41, 70178 Stuttgart Info: ramic@kanzlei-svk.de | Alle zwei Monate, auch: 1.12.2026 |
| 13.10.2026, Köln | Stammtisch der ARGE Anwältinnen um 13 Uhr im Restaurant Balthasar, Aachener Str. 18, 50674 Köln, Anmeldung: nm@mahmoudi-rechtsanwaelte.de | monatlich, auch: 10.11., 8.12.2026 |
Beim Empfang des DAV beim Deutschen Juristentag in Erfurt am 17.9.2026 stand der juristische Nachwuchs im Mittelpunkt: Das Studierendennetzwerk des DAV JurFuture erhielt Gelegenheit, sich vorzustellen. „Wir bilden heute die Juristen aus, die in fünfzig Jahren immer noch arbeiten“, erinnerte Jasmin Stolzenburg, Studentin aus Düsseldorf, die Gäste. Und: „Wir kennen viele Studierende, die sich bis in die späten Semester hinein noch nicht viel mit Anwälten unterhalten haben. Das versuchen wir zu ändern.“ Das Netzwerk, das in vielen Unistädten noch im Aufbau ist, will möglichst schon im Studium Kontakte zu Anwaltschaft herstellen, berichtet das Anwaltsblatt. Der nächste Deutsche Anwaltstag findet übrigens auch in Erfurt statt: vom 2. bis 4. Juni 2027.
V.i.S.d.P.: Ulrike Silbermann
Vorsitzende der ARGE Anwältinnen im DAV
Redaktion: Christine Olderdissen
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